Die Ürsprünge eines neuen Kampfsportes

Eine kleine Geschichte über Judo

Judo ist eine Form der Selbstverteidigung, eine individuelle Kampfkunst. Sein Hauptzweck ist es, den Gegner innerhalb der festgelegten Regeln zu werfen, festzuhalten, zu würgen oder zu hebeln. Aber was genau bedeutet das Wort Judo? Das Wort „Ju“ bedeutet soviel wie sich natürlich, sanft und angepasst zu verhalten. „Do“ - der Weg - beschreibt die veredelte Methode - den spirituellen, geistigen Weg.

bild-1 Japanische Kanji-Schriftzeichen für „Judo“

Aber Judo ist nicht nur eine physische Kunst, es bedeutet ebenso die Entwicklung und Aus-bildung der mentalen Kräfte und der mo-ralischen Kultur des menschlichen Wesens. Ohne diese Fähigkeiten wäre im Judo keine perfekte technische Vorbereitung möglich.

In der Kampfkunst Judo haben Rituale, Selbstdisziplin, Konzentration und Fairplay einen hohen Stellenwert. Athleten mit den unter-schiedlichsten Einstellungen, Motivationen und Denkweisen begegnen sich auf der Kampffläche - der Tatami.

Ausdauer und Arbeit bringen den Erfolg, eine starke Körperbeherrschung. Experten haben auch festgestellt, das Judo keiner mystischen, schädlichen oder gar irreführenden Ideologie unterliegt. Judo entwickelt den Athleten ganzheitlich, macht ihn vorbereitet und vollkommen. Es ist eine besondere Art des Körper-gegen-Körper-Wettkampfes und entspricht in seinem Wesen perfekt den Erfordernissen des modernen Zeitalters.

DIE URSPRÜNGE DES JUDOSPORTS

bild-2 Jigorō Kanō, der Gründer des Judosports

Die Entwicklung des Judo zu einer modernen Form der physischen Selbstverteidigung hat eine lange Geschichte.

Die ursprüngliche chinesische Vorgänger des Judo hieß Tai-Jitsu, welches ähnlich dem heutigen Sportkarate, hauptsächlich Tritte und Schläge beinhaltete. Die gefährlichen und meist schmerzvollen Techniken wurden Schritt für Schritt durch sanftere, technisch höher entwickelte aber auch effektivere Methoden ersetzt. Die Kampkunst Jiu-Jitsu entstand; die aber noch immer den „harten Weg der Selbstverteidigung“ bedeutete, die häufig zu Verletzungen während des Trainings führte.

Im späten 19. Jahrhundert wurden erstmals die Grundlagen für das moderne Judo - das Kodokan Judo - geschaffen. Das Kodokan Judo wurde von Dr. Jigoro Kano gegründet, der 1860 in Japan geboren wurde. Während dieser Zeit stand Japan im Zeichen einer bedeutsamen gesellschaftlichen Veränderung.

Japan war stets eine Insel - nicht nur im geographischen Sinn. Als die feudale Staatsregierung aufgelöst wurde, war das japanische Volk berauscht von den bisher nie da gewesenen persönlichen Freiheiten und dem Einfluss der westlichen Zivilisation. Ebenso wie die ursprünglichen Bräuche drohten die traditionellen Kampfkünste in Vergessenheit zu geraten. Zu dieser Zeit war Jigoro Kano gerade mal 18 Jahre und sein Interesse galt sehr stark den Kampfkünsten, im besonderen Jiu-Jitsu. Aus diesem Grund besuchte er eine Reihe von Kampfkunst-Schulen, um die Kunst der Selbstverteidigung zu studieren. Unter den Anweisungen seiner Meister machte er rasche und gute Fortschritte und so hatte er nur ein Ziel vor Augen: das physisch und mental gebrochene japanische Volk, welches von jeglicher Form der körperlichen Ertüchtigung entwöhnt war, diese wieder zu lehren und daran aufzurichten.

bild-3 Kanō Jigorō und Kyuzo Mifune

Er entnahm den verschiedenen Kampfkunst- und Selbstverteidigungsschulen die sinnvollsten Elemente und ließ alles was er für nicht zweckmäßig und für den menschlichen Körper für schmerzvoll hielt beiseite. Jigoro Kano verfeinerte die Techniken, nahm Veränderungen vor und brachte es in ein für ihn perfektes System - er erschuf eine neue Schule und nannte sie Judo.

DER SPORT FÜR 10 MILLIONEN MENSCHEN AUF FÜNF KONTINENTEN

Im Alter von 22 Jahren, im Jahre 1882, gründete Jigoro Kano das Kodokan Institut - „die Schule um den Weg zu studieren“ wie er es nannte. Während dieser Zeit wurde Judo ein Sport, den man mit fairen Regeln ausüben konnte. Dank der neuerschaffenen Fallschule sank das Verletzungsrisiko auf ein Minimum. Während der 120 Jahre seit der Gründung des Kodokan Judo entwickelte sich dieses zu einer populären Sportart, wie es sich selbst Jigoro Kano nie erwartet hätte. Allein in Japan überstieg die Anzahl der registrierten Athleten 5 Mio. und Judo wurde im Sportunterricht verpflichtend.

bild-4 Briefmarke der Deutschen Bundespost (1964)

Aus einer Kampfkunst wurde eine volksbildende Körperertüchtigung und daraus eine echte Sportart. Selbstverständlich konnte Jigoro Kano, der Judo bis an sein Lebensende betrieb, diesen Erfolg nicht erleben. Er starb 1938 im Alter von 78 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wurde Judo bereits von hochqualifizierten japanischen Meistern auf der ganzen Welt gelehrt und verbreitet - so wie es sich Jigoro Kano vorgestellt hatte.

Nach der Niederlage im 2. Weltkrieg war die Politik der globalen Öffnung sowohl für Japan als auch für das Judo Jigoro Kano's sehr wertvoll: die Verbreitung des Judo in der ganzen Welt bedeutete für Japan einen Erfolg in der sportlichen Diplomatie. Die USA und Europa interessierten sich sehr für das „japanische Mysterium“ und akzeptierten sehr bald die japanischen Botschafter des Judo und luden Lehrer und Trainer aus dem Mutterland des Judosports ein.

Mehr und mehr Clubs wurden eröffnet. Aber schon bald wurde klar, dass die asiatische Mentalität, Philosophie, Intellektualität, Geduld und Glauben in die Arbeit nicht mit den Wurzeln der europäischen Kultur vereinbar waren. Aber Dank der Hartnäckigkeit einiger weniger „Besessener“ gewann Judo auch auf dem alten Kontinent an Boden. Der Traum wurde Wirklichkeit: Jigoro Kanos Judo eroberte die Welt. In den letzten 120 Jahren begannen mehr als 10 Mio. Menschen Judo zu praktizieren, seine wundervollen Techniken zu erforschen und bekamen seine bildende Kraft zu spüren.

JUDO - EIN SPORT FÜR JEDERMANN

bild-5 Jigorō Kanō und Yoshiaki Yamashita führen einen Koshiki-no-kata vor

Judo erwuchs zu mehr als einer momentanen Modeerscheinung. Es wurde zu einem echtem Wettkampfsport. Von Jigoro Kano’s Form der körperlichen Ertüchtigung mit Selbstverteidigungscharakter entwickelte es sich zu einer Sportart dessen Ziel es ist, den Gegner zu werfen, festzuhalten, zu würgen oder zu hebeln. Aber darüber hinaus hat es nichts von seiner allgemein bildenden Wirkung verloren. Judo war und ist ein dynamischer Sport und steht unter einer ebensolchen dynamischen Entwicklung. Judo kann und wird von Mädchen, Frauen, Burschen und Männern in jeder Alters- und Leistungsstufe praktiziert. Judo ist ein Sport für alle und gehört jedem.

Info

Quelle: Aus dem Englischen übersetzt von Mag. Michael Baumgartner: A brief judo history; JUDO, European Judo Union - European Judo Federation Magazin, 1/1 - July 2001, S 74 ff

Wer ist der Bessere?

Der Wettkampf

Hier bekommst du einen kleinen Einblick in den Wettkampfablauf und dessen Regeln.

weiter

Alles, was man über Judo wissen muss

Wissenswertes

mehr