ADNET. Bundeskampfrichter Andreas Bernhofer zeigte am Mittwoch, den 10. Februar beim Erwachsenentraining im Adneter Dojo die wesentlichen Punkte der neuen Regeländerung der IJF.
Jeden Judoka ist inzwischen bekannt, dass seit Anfang 2010 das Reglement der International Judo Federation (IJF) wieder geändert wurde. Vorher galt das Fassen am Bein als verboten und wurde mit Shido bestraft.
Inzwischen ist jeglicher Griff- und Klammerkontakt unter der Gürtellinie verboten und wird sofort mit Hansokumake, also einer Disqualifikation, bestraft. Grund für diese drastische Änderung und der strengen Bestrafung ist laut IJF folgender: Im modernen Judokampfsport wurde immer mehr in gebückter Haltung gekämpft und es kamen immer mehr neue Beinfasstechniken dazu, die dafür sorgten, dass die Zuschauer immer weniger von den klassischen Judotechniken mitbekamen. Daher will der IJF für die nächsten olympischen Spiele 2012 dafür sorgen, dass die Kämpfer wieder ins „klassische“ Judo zurückkehren. Leider gehen durch die Regeländerung aber Techniken wie der Kata-guruma oder Morote-gari verloren.
Natürlich wie bei jedem Reglement gibt es auch beim strikten Beinfassverbot einige Ausnahmen, die uns am Mittwoch der Bundeskampfrichter und Trainer des Judoclub Hallein/Tennengaus Andreas Bernhofer zeigte.

Beinfasstechniken als direkten Angriff wird mit einer Disqualifikation aus dem Turnier bestraft.
(l. Leistungsträger Peter Harlander; r. Kampfrichter Andreas Bernhofer)
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So ist zwar das Beinfassen als direkter Angriff verboten, aber bei einem ersichtlichen Konter (also wenn der gegnerische Wurf schon Wirkung zeigt) sowie bei eigenem Wurf, der für die Kampfrichter Wirkung zeigt ist der nachträgliche Griff am Bein erlaubt.
Weiters ist der Griff bei dem neu benannten "Cross-Guard-Griff" (siehe älteren Bericht) das Fassen am Bein für den Uke (also dem Nicht-Ausführenden) erlaubt, wobei dies für den Uke dann sehr riskant und unnötig sei, so Bernhofer, da der Tori (Ausführende des Cross-Guard-Griffs) sowieso nach einer bestimmten Zeit ein Shido bekäme.
Für die Kinder und Jugendlichen würde die Umstellung leichter fallen, für die Älteren, die die alten Regeln gewohnt sind, sei es etwas schwieriger, so unser Bundeskampfrichter.
Klar ist, wenn diese Regeln nun erfolgreich erprobt worden sind, wird es bis nach den Olympischen Spielen keine Regelneuerungen mehr geben.
Ein bisschen mehr Klarheit nach dem Grand Slam in Paris
Die Regelneuerung bietet sehr viel Spielraum für Interpretationen. Dies zeigte sich zuletzt in Mittersill, wo die neu geschaffene Trainer-Kommission der EJU unter Enzio Gamba versuchte, gemeinsam mit Vertretern der EJU Kampfrichterkommission den anwesenden Trainern und Sportlern die neuen Regeln näher zu bringen. Intensiv diskutiert wurde damals die Auslegung des Cross-Guard-Grips, der Fassart einseitig über die Schulter oder über den Arm des Gegners.

Der Cross-Guard-Grip
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Nach dem Grand Slam in Paris scheint sich in diesem Punkt nun etwas mehr Klarheit abzuzeichnen.
Wie der deutsche Kampfrichterchef Stephan Bode nun veröffentlichte, hat sich in Bezug auf das einseitige Fassen folgende Interpretation durchgesetzt:
Von "cross guard grip" zu "cross grip":
"Fasst Tori einseitig auf / über die Schulter / den Arm (Anm.: Baghirov Griff), darf Uke unterhalb des Gürtels greifen. Tori seinerseits muss aus diesem Griff sofort angreifen, sonst wird mit Shido bestraft." (Quelle: Stephan Bode: www.judobund.de)

Mit Optimismus der Zukunft entgegen: Werden die Judotechniken wieder "sauberer"?
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Vom "Lehrvideo" zum "Leervideo"
Die von der IJF Kampfrichterkommission veröffentlichten Lehrvideos zu diesem Punkt, die dieser Auslegung widersprechen, verlieren ihre Gültigkeit.
Nach den ersten Turnieren nach den neuen Regeln sowie den laufenden "Neuinterpretationen" und Unsicherheiten auf allen Linien darf auf jeden Fall soviel gesagt werde: eine extrem schwierige Situation für alle Kampfrichter, eine fast unmögliche Situation für die Kämpfer und Trainer. (Quelle: LV Salzburg: www.judo-salzburg.at)